In Erinnerung an Lili

Am 11.08.2026 mussten wir leider unsere stille Herzensdame Lili gehen lassen. Es ist über drei
Jahre her, da ist sie erstmals mutig ihre Wohnung abgelaufen – alles roch noch nach Kater Whiskey
und man war auf Obacht. Die Super-Seniora zeigte sich jedoch sehr anpassungsfähig und fremdelte
ihrem Herrchen kaum gegenüber. Sie schlief seit jeher fast jede Nacht mit im Bett, wusste aber auch
eine harte Pfote und Warnbisse zu verteilen, zumindest während der ersten eineinhalb Jahre. Mit
Beharrlichkeit kam Vertrauen und wir beide schafften es zusammen sogar, dein krankes Herz
zurück zu dem gesunden Blutdruck einer flotten Omi zu verhelfen.

Sie genoss die Wärme, am liebsten auf dem (linken!) Oberschenkel, auf dem sie
Dank ihrer kleinen Statur ausreichend Platz fand; ihr zweitliebster Direktkontakt war direkt auf der
Brust über dem Herzen – zwei Herzen, die füreinander schlugen, könnte man sagen. Ihren schöner,
langen Schweif nutzte Lili um als leichtfüßige Tänzerin über uns zu klettern oder ihn gleich in
Wellen über uns zu drapieren. Bei wortwörtlich stundenlangem Kraulen schlief sie mehrfach am
Tag auf dem Bein, ab und zu aufschreckend oder im REM-Schlaf vor sich hin zuckend. Vor der Wohnungstür und später auf der Loggia konnte unsere Sonnenanbeterin auf kurze
Erkundungstouren gehen, viel frisches Wasser aus ihrem geliebten Vogelbad schlürfen, diebisch
Ausbruchspläne verfolgen (einmal schaffte sie es auf das Geländer…) oder sich in den wärmenden
Strahlen rekeln. Bis zuletzt nahm sie all ihre Sonnenplätze war, selbst in der Hitzewelle, sodass die
Wärme ihr rosa Näschen aufleuchten ließ.

Einen weiteren Umzug überstand unsere Tapfere noch in ihrem letzten Jahr und sie fand sogar
gefallen an einem Zwischenstopp im anderen Haushalt, um die Umzugstage und so manch
turbolentes Silvester ruhiger zu überbrücken. Dort zeigte sie, wie geübt und mit Begeisterung sie
Treppen steigen konnte. Von oben hatte sie einen guten Blick in die grünbunte Üppigkeit des am
Hause angrenzenden Gartens, und man möchte es kaum glauben, aber Katzen kann man manchen
sehr wohl ansehen, wenn sie ins pure Staunen geraten.

Trotz oder gerade wegen der zahlreichen Tierarztbesuche zum Ende hin schenktest du uns
zunehmend mehr Vertrauen, das aus deinen glänzenden, gelb-grünen Augen sprach. Bei den
Untersuchungen im Tierheim konnten deine Pfleger*innen sogar noch einmal genüsslich kraulend Abschied nehmen – ja, Martin, dir scheint’s sichtlich gefallen zu haben :). Ihren Rivalen von den
Tierarztpraxen spendierte sie am Ende als echte Kämpferin ein allerletztes Fauchi in allen Ehren,
bis sie schließlich ihren Kopf zur letzten Ruhe neigte in den Hallen des Katzen-Valhalla.

Wir sagen Dir, Lili, ‚Tschüssi und alles Gute‘,
du feine, kleine Nasedame, Super-Seniora, Mieze-Omi und Räubermaske,
du Tänzerin, Hühnerbein und Samtpfötchen,
du flinkes Raubfellchen, geliebtes Schatzetätzchen,
du Superschweif, Fellhose und Flauscheöhrchen,
du stille, treue Bettschläferin und Herzensdame,
die Du eine der besten Miezen warst und das Leben vieler bereichert hast.

© Text und Fotos: privat

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