Ehemaligen-Post von Tom (Balthasar)

Hallo zusammen,

erinnert Ihr Euch an mich??

Ich bin’s… euer Balthasar. Wobei – inzwischen habe ich einen zusätzlichen Namen bekommen und höre jetzt auf Tom. Klingt irgendwie nach einem Kater, der seine Steuern macht oder einen Segeltörn plant. Ich bin mittlerweile fast 5 Jahre jung und FIV-positiv.

Früher war ich bei euch in der FIV-Wohngemeinschaft mit einigen anderen Fellnasen. Ich habe dort stolze 9 Monate in meiner Kratztonne residiert. Das war mein Schloss. Mein Rückzugsort. Mein Hochsicherheitstrakt. Nähe? Nein danke. Ich habe gespuckt, gefaucht und meine Tagesplanung konsequent auf die Nacht verlegt – fressen, Klo, kleine Kontrollrunden… man muss schließlich seine Privatsphäre wahren.

Alle meine Kumpels sind vor mir ausgezogen. Ich dachte schon: „Na toll, jetzt bin ich hier der letzte Bewohner und darf bald Miete zahlen.“

Dann gab es da diese Katzenbetreuerin. Die tauchte ständig auf. Wirklich ständig! Sie hat mir Geschichten erzählt, Weihnachten mit mir gefeiert und wir haben Weihnachtslieder gehört. Und zu Karneval? Luftschlangen und Karnevalsmusik! Wir sind ja schließlich im Rheinland – da entkommt man dem Karneval offenbar nicht einmal als Kater.

Und dann passierte der Skandal meines Lebens: Ihr habt mir einfach meine Kratztonne weggenommen! Einfach so! Nur weil ich tagsüber plötzlich dringend aufs Klo musste. Absolute Frechheit! Ein klarer Verstoß gegen die Katzenrechte. Ich prüfe bis heute rechtliche Schritte.

Also zog ich protestierend auf den Kratzbaum im Außenbereich um. Das war klasse – frische Luft, Aussicht, Natur… dachte ich jedenfalls. Aber nein – diese Katzenbetreuerin war schon wieder da. Die hat wirklich nicht locker gelassen.

Irgendwann habe ich mir dann ein Herz gefasst. Ich bin ganz langsam vom Kratzbaum herunter und zu ihr gegangen. Ganz vorsichtig habe ich ihr kurz über die Hand geleckt. Tja… und das war vermutlich mein persönlicher Anfang vom Ende. Oder besser: vom Anfang.

Von da an lief es irgendwie anders. Immer wenn sie kam, bin ich zu ihr gegangen. Ich ließ mich streicheln. Sogar kämmen! Und ich muss zugeben: Das fühlte sich verdammt gut an. Und dann kam mein großer Tag: Am 15.8. bin ich zu ihr gezogen. Zunächst habe ich sicherheitshalber 7 Stunden unter ihrem Sofa verbracht. Man muss neue Menschen schließlich erst mal beobachten. Qualitätskontrolle.

Danach habe ich die Wohnung inspiziert und festgestellt: Das hier gehört jetzt alles mir. Das Sofa? Meins. Das Bett? Meins. Der vernetzte Balkon? Ebenfalls meins. Kratzbrett, Kratzbaum, Fummelkiste, Spielecke…alles da… wir spielen, wir schmusen, ich werde gekämmt und neuerdings machen wir sogar Clickertraining. Und dafür gibt es Leckerli.

Läuft.

Hier bin ich jetzt offiziell der „Prinz“. Wir haben beschlossen, noch ganz viele Jahre füreinander da zu sein. Zurzeit führe ich allerdings noch intensive Verhandlungen über eine deutlich großzügigere Versorgung mit Thunfisch. Die Gespräche verlaufen zäh. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Und ich erlaube meiner Dosenöffnerin weiterhin ins Tierheim zu fahren und besonders die ganz scheuen Katzen zu besuchen. Damit die irgendwann auch Vertrauen fassen und – so wie ich – ihr eigenes schönes Zuhause finden. Danke, dass Ihr mich damals so gut versorgt habt!

Euer Tom-Balthasar

P.S.: Es gibt natürlich auch noch ein paar Fotos von mir. Schließlich möchte ich meiner Fangemeinde etwas bieten.


Tom- Balthasar war für mich eine „Schattenkatze“. Er saß monatelang in dieser Kratztonne…hat keine Nähe zugelassen. Irgendwann war das „Eis“ gebrochen und er kam zu mir. Ich weiß bis heute nicht, was an diesem Besuch anders war…

Hier zu Hause ist Tom angekommen. Die Tierarztbesuche werden jedes Mal eine Herausforderung. Aber wir werden es gemeinsam schaffen. Tom wird nie der Kater werden, den ich einfach so auf den Arm nehmen kann – das ist auch nicht so wichtig. Ich genieße die Zeit mit ihm, und er hat alle Zeit der Welt.

Jede unserer Katzen im Tierheim ist einzigartig. Aber die Scheuen sind etwas ganz Besonderes und sind es wert, eine Chance zu bekommen.

Ich betreue sehr gerne diese scheuen Katzen. Man weiß nie, was sie mitgemacht haben. Hatten sie eine Familie und wurden ausgesetzt? Sind sie wild aufgewachsen ohne Menschenkontakt? Scheue Katzen sind keine „schwierigen Tiere“, sondern Lebewesen, die einfach mehr Zeit benötigen um anzukommen.

Meine Bitte an Interessenten: Schauen Sie auch mal nach den scheuen Katzen. Mehrmalige Besuche sind sehr von Vorteil. Es benötigt auch jede Menge Geduld und Fingerspitzengefühl. Aber vielleicht ist Ihre Herzenskatze genau die, von der man anfangs im Tierheim nur einen Schatten sieht.

Birgit Lampe

© Text und Fotos: Birgit Lampe

Öffnungszeiten: Fr. und Sa., 14–17 Uhr
(und Termine nach Vereinbarung)