Emmy kam nach ihrer Freundin Bibi zu uns ins Tierheim. Bibi war als Fundhund in unsere Obhut gekommen und nachdem die Besitzerin ausfindig gemacht worden war, stellte sich heraus, dass diese noch ein zweite Hündin (Emmy) hatte. Das Amt verfügte, dass beide Hündinnen im Tierheim bleiben sollen, da die Besitzerin nicht in der Lage war, sich angemessen um sie zu kümmern. Sie hat die beiden sehr lieb gehabt und meinte es gut, doch sie war heillos überfordert mit den beiden Angsthündinnen.
Beide Hündinnen sind auffällig unsicher bei Umweltreizen. Sie scheinen nicht viel kennengelernt zu haben und kennen es auch nicht, spazieren zu gehen. Anfangs klebten sie aneinander wie Zwillinge, doch Emmy war von Beginn an etwas autarker als Bibi.
Emmy kommt ursprünglich aus Rumänien. Ihre Straßenhunderfahrung merkt man ihr noch deutlich an. Sobald sie in einem eingezäunten Bereich ist, sucht sie alle Seiten nach sämtlichen Fluchtmöglichkeiten ab. Sie ist skeptischer als Bibi und in sich gekehrter, ist aber dafür etwas sicherer im Freien. Bei ihrer Ankunft suchte sie von sich aus nur selten Kontakt zu Menschen, doch mittlerweile ist sie deutlich aufgetaut. Sie freut sich lautstark, wenn ihre Bezugspersonen sie zum Gassi abholen und steckt mittlerweile sogar ganz selbstständig und voller Tatendrang ihren Kopf durch das Geschirr. Bei fremden Menschen ist sie allerdings nach wie vor äußerst skeptisch und sie braucht ihre Zeit, bis sie halbwegs Vertrauen hat.
Auch Emmys Umweltangst hat sich etwas verbessert. War sie zu Beginn nur mit möglichen Gefahren um sich herum beschäftigt, so kann sie sich mittlerweile mehr auf den Menschen am anderen Ende der Leine einlassen und dabei sogar eher neugierig die Umwelt erkunden. Wird sie ordentlich geführt, läuft sie auch toll an der Leine; bekommt sie keine Führung vorgegeben, läuft sie kreuz und quer und wenig geradlinig. Einige Umweltreize machen ihr nach wie vor Angst, z. B. Fahrräder, doch mittlerweile bleibt sie in solchen Situationen meist einfach stehen und beobachtet das Ungewöhnliche, bis es vorübergezogen ist, anstatt in Panik zu verfallen. Wider Erwarten stellte sich zum Jahreswechsel heraus, dass sie bei Feuerwerk keine Angst hat.
Im Kontakt mit Artgenossen ist Emmy eher zickig und lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen, doch wenn sie regelmäßig mit den gleichen Hunden in einer Gruppe spazieren geht, interessieren sie diese irgendwann nicht mehr. Dann kommt es nur noch selten vor, dass sie Hunde außerhalb „ihres“ Rudels anpöbelt. Mit gezieltem Training lässt sich das gut in den Griff bekommen.
Je mehr Emmy und ihre Hundefreundin Bibi bei uns auftauten, desto deutlicher zeigte sich ihre Eifersucht untereinander. Wir mussten die beiden trennen und so scheint es beiden besser zu gehen, denn sie orientieren sich immer mehr am Menschen. Emmy kann nicht in einen Haushalt mit Kindern ziehen, da sie dafür einfach zu sprunghaft und misstrauisch ist. Nach einer Kennenlernphase hätte sie gegen einen souveränen Rüden als Ersthund sicher nichts einzuwenden. Wir können uns sie aber auch als Einzelhund vorstellen.
Emmy ist ein kluges Köpfchen, die aber ihren eigenen Willen hat. Es bedarf noch einiges an Training, um ihr zu zeigen, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Menschen lohnt. Sie lernt bereits, zur Ruhe zu kommen und kann auch Streicheleinheiten schon genießen. Wir suchen motivierte Menschen, die Lust haben, Emmy die Welt zu zeigen, sie körperlich und geistig auslasten und ihr die Möglichkeit geben, sich sicher zu fühlen.
| Geschlecht | kastrierte Hündin |
| Geboren | 25.02.2019 |
| Größe | 53 cm |
| Artgenossen | nach Sympathie – Vermittlung eher als Einzelhund |
| Kinder | nein |
| Katzen | unbekannt |
| Autofahren | noch sehr viel Stress |
| Im Tierheim seit | 02.09.2024 |
© Fotos: Elin Osterbrink



