Leika hatte wohl einen eher schlechten Start ins Leben, den man sich für einen Hund vorstellen kann. Vom Züchter verkauft und dann innerhalb kürzester Zeit immer weitergereicht von Besitzer zu Besitzer, an Menschen, die offenbar weder über ausreichende Hundeerfahrung noch über das nötige Wissen verfügten, um einem Welpen gerecht zu werden. Sie ist leider ein Paradebeispiel dafür, wie gravierende Fehler in der Präge- und Junghundezeit einen Hund nachhaltig beeinflussen können. Gleichzeitig bringt sie auch genetisch einige Herausforderungen mit.
Dabei ist Leika grundsätzlich eine sehr neugierige, verschmuste und ausgesprochen lernwillige Hündin. Sie ist stubenrein und hat sich bei uns beeindruckend entwickelt. Als sie mit einem halben Jahr zu uns ins Tierheim kam, zeigte sie deutliche Aggression gegenüber fremden Menschen, starke Leinenaggression gegenüber Artgenossen und war schlecht bis gar nicht sozialisiert. Durch das tägliche Training unserer Pfleger:innen und Hundetrainer:innen hat sie enorme Fortschritte gemacht. Ihr Verhalten hat sich grundlegend zum Positiven verändert – Leika ist zu einer echten Musterschülerin geworden. Dennoch ist es wichtig, dass ihre zukünftigen Menschen konsequent weiter mit ihr arbeiten, damit sie nicht in alte Verhaltensmuster zurückfällt.
Leika kennt das Tragen eines Maulkorbs, beherrscht die Grundkommandos und reagiert zuverlässig auf Signale wie „Decke“ und „Bleib“. Als intelligenter Arbeitshund benötigt sie sowohl körperliche als auch geistige Auslastung. Sie ist kein Hund, der einfach nebenherläuft. Leider hat sie früh gelernt, viele Situationen selbst zu regeln und Entscheidungen eigenständig zu treffen. Deshalb arbeiten wir intensiv daran, ihr Vertrauen in den Menschen zu stärken. Allerdings sind viele Verhaltensweisen tief verankert, und das Loslassen fällt ihr nicht immer leicht. Dennoch hat sie auch in diesem Bereich schon große Fortschritte erzielt.
Aufgrund ihrer wechselnden Lebensumstände und der Erfahrungen mit verschiedenen Halter:innen, ist Leika in vielen Situationen unsicher. Nimmt sie eine Situation als bedrohlich wahr, reagiert sie leider sofort ernsthaft. Sie hat einen ausgeprägten Jagdtrieb und spricht stark auf Bewegungsreize an. Dies wurde dadurch verstärkt, dass in ihrer Vergangenheit stumpf Ball mit ihr gespielt wurde, etwas, das bei einem Hund wie Leika kontraproduktiv ist.
Für Leika suchen wir daher ausschließlich sehr hundeerfahrene Menschen ohne Kinder, die bereit sind, ihren Weg konsequent weiterzugehen. Mit sinnvollen Beschäftigungen wie Mantrailing oder Fährtenarbeit könnte man sie sehr gut auslasten.
Sollte bereits ein Hund im Haushalt leben, muss dieser souverän, sozialverträglich und vor allem körperlich etwas aushalten können. Deutlich kleinere oder sehr alte Hunde kommen als Ersthund nicht infrage. Grundsätzlich hat Leika jedoch auch im Umgang mit Artgenossen hier große Fortschritte gemacht. Sie nimmt regelmäßig an kontrollierten Spielstunden in kleinen Gruppen teil und zeigt dort ein zunehmend sicheres Sozialverhalten. Derzeit lebt Leika mit unserem Schäferhund Capper zusammen. Die beiden harmonieren sehr gut miteinander und zeigen, dass Leika auf jeden Fall in der Lage ist, enge und stabile soziale Bindungen zu anderen Hunden aufzubauen.
Wichtig im Umgang mit Leika ist generell, dass bei ihr die Dynamik herausgenommen werden und mit viel Ruhe geübt werden muss. Dinge, die ihr Spaß machen, sollten im Vordergrund stehen. Sie arbeitet gerne mit, auch wenn ihr die Konzentration manchmal schwerfällt. Viele alltägliche Dinge musste sie erst lernen, wie etwa entspanntes Kuscheln, ohne in die Arme zu schnappen, oder das ruhige Anziehen von Geschirr und Leine.
Bei einer tierärztlichen Untersuchung wurde eine mittel- bis hochgradige Hüftdysplasie festgestellt, leider keine Seltenheit bei Schäferhunden. Durch den gezielten Muskelaufbau in den vergangenen Jahren konnte sie die Erkrankung bislang gut kompensieren. Inzwischen ist sie jedoch auf Schmerzmedikamente angewiesen. Da sie im Tierheim nur schwer ruhig zu halten ist, kommt eine potenzielle Operation nur in einem zukünftigen Zuhause infrage. Und das auch nur nach ausreichender Zeit zum Einleben und Ruhefinden, damit sie nach der OP gut betreut werden kann. Genaueres erläutern wir gerne in einem ausführlichen Vermittlungsgespräch.
Wir wissen, dass es nicht einfach ist, Leika zu vermitteln. Dennoch hoffen wir sehr, die richtigen Menschen für sie zu finden. Leikas Interessent:innen müssten mehrfach zu uns ins Tierheim kommen und sich auch mit unserer Hundetrainerin treffen. Ideal wäre ein Haus mit sicher eingezäuntem, möglichst großem Garten. Ein Mehrparteienhaus mit Treppenhaus sehen wir hingegen kritisch.
Leika wird derzeit mit Maulkorb geführt, und dies sollte zunächst auch weiterhin beibehalten werden. Unser größter Wunsch ist es, für sie die richtigen Rahmenbedingungen zu finde, damit sie ihr weiteres Leben endlich bei kompetenten, einfühlsamen, hundeerfahrenen und konsequenten Menschen verbringen kann. Nach allem, was sie erlebt hat, hätte sie diese Chance mehr als verdient.
| Geschlecht | kastrierte Hündin |
| Geboren | 26.10.2022 |
| Größe | 58 cm |
| Artgenossen | ja, nach Sympathie |
| Kinder | nein |
| Katzen | eher nein |
| Autofahren | ja |
| Im Tierheim seit | 20.04.2023 |
© Fotos: Lenja Horn, Julia Zerwas












