Gerettet: Sieben auf einen Streich

hochzeit-tauben-weisse-taubenHochzeitstauben fliegen zu lassen gilt – unabhängig von der Jahreszeit – leider immer noch als „üblicher Brauch“, bei dem das Hochzeitspaar und die Gäste einen kurzen schönen Moment des Auffliegens erleben, bei dem die Tiere aber in den meisten Fällen ungesehen und vergessen auf der Strecke bleiben.

Kaum ein Hochzeitspaar, die Kirche oder die Gäste verschwenden einen Gedanken daran, wie die Tauben wieder zurück nach Hause kommen. Handelt es sich nicht um Tauben, die immer wieder zu ihrem Heimatschlag zurückfliegen? So wird zumindest gedacht. Aber dass Tauben mit Federn an den Füßen, aufgestelltem Pfauenschwanz oder Wirbeln im Kopfgefieder weder das Heimfinde-Vermögen der Brieftauben noch deren Flugleistung teilen, wissen die wenigsten.

hochzeitstauben-weisse-taubenUnd so stranden nach der Hochzeit immer wieder Tauben in der näheren Umgebung der Kirchen. Wenn sie Glück haben, werden sie eingefangen und dem Tierschutz übergeben. Wenn sie kein Glück haben, verhungern sie, werden überfahren oder fallen, geschwächt und durch ihre weiße Farbe gut sichtbar, einem Raubtier zum Opfer.

Meist sind es zwei Tauben, die fliegen gelassen werden. Familie Bauer hatte im Herbst letzten Jahres das fragwürdige Vergnügen, dass gleich 10 Hochzeitstauben auf ihrem Dach landeten und dieses vorrübergehend als ihr neues Domizil auserkoren hatten. Im guten Glauben daran, dass sich schon jemand um die Tiere kümmern würde, war man anfangs noch recht entspannt. Doch nach und nach musste die Familie erkennen, dass sich niemand für diese Tiere interessierte. Auch die Kirchengemeinde hat sich vergeblich um Klärung dieser unerfreulichen „Folgen“ des Hochzeitsbrauchs bemüht.

Weder die kontaktierten Brautleute noch die Gäste zeigten Anteilnahme oder gar Bereitschaft, sich um die Tauben zu kümmern – waren es doch schließlich nicht ihre Tiere. Sie gehörten dem Züchter, von dem sie diese „geliehen“ hatten.

Der Züchter fühlte sich genauso wenig verantwortlich, da seine Tiere angeblich alle wieder zurückgekommen seien. Doch wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass seine 10 Tauben wieder zurückgeflogen sind und sich dafür 10 andere Tauben in der Nähe der Kirche aufhalten?

Das Ordnungsamt zog sich ganz aus der Affäre, indem sie die Angelegenheit als für nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich befindlich deklarierte.

Es ist nicht nur die Tatsache, dass sich niemand bereit erklärt hat, für die Tauben, die vorher für „so viel Freude bei der Hochzeit“ gesorgt haben oder Geld eingebracht haben, Verantwortung zu übernehmen. Es ist beinahe noch erschreckender festzustellen, wie absolut egal das weitere Schicksal der Tiere den beteiligten Menschen ist.

Einzig Familie Bauer, die als völlig Unbeteiligte zu den Tauben gekommen ist, zeigte sich am weiteren Schicksal der Tiere interessiert. Sie hatten unseren Hochzeitstaubenbericht, den wir im Januar 2014 auf unserer Homepage eingestellt hatten, gelesen. Dass es sich tatsächlich so verhalten kann, wie in dem Artikel beschrieben, erlebte die Familie nun hautnah mit. Und mit jeder Absage, die sie von den Beteiligten erhielten, wuchsen Frustration und Verärgerung über den Umgang mit den Tauben und das Mitleid mit selbigen.

So unternahm Herr Bauer einen letzten Versuch und kontaktierte unser Tierheim. Frau Brunelli, die sich im Besonderen um Tauben kümmert, fuhr darauf hin zu der Familie, um sich ein Bild von der Situation zu machen.

Mittlerweile war die Gruppe der Hochzeitstauben auf 8 geschrumpft. Zwei waren also schon auf der Strecke geblieben.

Dank der Ausdauer und der Bereitschaft seitens Familie Bauer, alles dafür zu tun, die Tiere einfangen zu können, gelang es uns, die Tauben an einen kleinen, improvisierten Schlag zu gewöhnen. Letzten Endes konnten so 7 der ursprünglich 10 Tauben gerettet werden.

Die achte Taube hat sich scheinbar einem verwilderten Haustaubenschwarm angeschlossen und sich abseits der anderen Tauben aufgehalten.

Leider trugen die Tauben keine Ringe, die den Besitzer zweifellos ausgewiesen hätten. Vermutlich wusste der Züchter genau, was er tat bzw. eben nicht tat.

Letzten Endes ist es aber so für die Tauben ganz sicher besser. Alle 7 sind nun in taubenerfahrenen Händen untergebracht und dürfen dort leben, ohne andere bei einer Feierlichkeit erfreuen zu müssen.

 

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