»Die wollen ja gar keine Hunde vermitteln …«

TH_Eingang2_webIn unserer aktuellen Zeitschrift finden Sie diesen Beitrag über die Vermittlung von Hunden. Autorin ist Grit Matthiesen, ehrenamtliche Vermittlerin im Tierheim für den Bereich Hunde..

zitat-blau-20 Seit mehreren Jahren bin ich ehrenamtlich im Hundebereich des Tierheims aktiv. Seit etwa zwei Jahren helfe ich am Wochenende bei der Vermittlung der Hunde, weshalb mich oft Menschen aus dem Bekanntenkreis darauf ansprechen. Und da höre ich immer wieder die gleichen Sätze und Vorwürfe: das Tierheim Bonn – die wollen ja gar keine Hunde vermitteln! Mich verwundert diese Aussage. Im Schnitt vermittelt das Tierheim Bonn etwa 330 Hunde im Jahr. Das heißt, dass statistisch gesehen fast jeden Tag des Jahres ein Hund das Tierheim verlässt und in sein neues Zuhause zieht. Ich selbst habe viele Hunde an die unterschiedlichsten Menschen vermittelt: Singles, Paare, Kleinfamilien, Großfamilien, Studenten, Berufstätige, Arbeitslose und Senioren. Ob Wohnung, WG, Haus mit Garten, Bauernhof, ob als Zweithund, zu Katzen, Kleintieren oder Pferden – alles war dabei.

Das Ziel bei der Vermittlung von Hunden und somit eine Maxime für uns ist, dass der Hund ein Zuhause für immer bekommt. Er soll nie wieder ins Tierheim zurück müssen und artgerecht gehalten und versorgt werden.

Hier möchte ich zu einigen Vorwürfen Stellung nehmen und meine Perspektive aus der Vermittlerseite schildern.

Kann nicht mehr alleine bleiben …
Kann nicht mehr alleine bleiben – Juri

»Lieber lassen die die Hunde im Tierheim versauern, als sie an Berufstätige zu vermitteln.« Ein Hund kann nicht den ganzen Tag alleine bleiben, er möchte sich bewegen und engen Kontakt zum Rudel haben. Das sehen viele Interessenten anders. Sie wollen jetzt einen Hund haben und nicht warten bis sich die Lebenssituation verändert und es passt. Was ist die Konsequenz, wenn ein Hund trotzdem angeschafft wird? Hunde, die es ertragen, die meiste Zeit des Tages alleine zu bleiben, dürfen bleiben. Die Hunde, denen das nicht reicht, die weinen, ins Haus pinkeln, Wohnungseinrichtungen zerstören oder wegen mangelnder Auslastung verhaltensauffällig werden, die müssen wieder weg. Da Zeitmangel und Überforderung der meist genannte Abgabegrund ist, weil die Mehrzahl der Hunde eben nicht mit stundenlangem Alleine sein fertig wird, haben wir den Anspruch, dass die Zeit für das Tier da sein muss, denn die Hunde sollen ein Zuhause finden – für immer!

Also warten bis zur Rente? »Da wirst du dich noch umschauen, denn das Tierheim Bonn vermittelt nicht an alte Menschen«. Doch tun wir – aber nur, wenn Hund und Menschen zusammen passen! Immer wieder kommen Menschen fortgeschrittenen Alters und wollen einen jungen Hund – meist sogar einen Welpen. Beobachtet man die Damen und Herren im Auslauf mit einem jungen Hund, kann man die Überforderung deutlich spüren. Sie realisieren nicht, ob der Hund vor oder hinter ihnen herumhüpft, Steine frisst oder gerade die Leine durchbeißt. Oft ist die Selbstwahrnehmung über die eigene körperliche Fitness bei älteren Menschen anders als sie auf Dritte wirkt.

13 Jahre und kein bisschen müde - Mandy
13 und kein bisschen müde – Mandy

Also warum nicht einen älteren Hund? Keine Flausen mehr im Kopf, lieben viele solcher Hunde die Ruhe und Übersichtlichkeit eines Heims bei älteren Menschen. Ein ältere Dame beeindruckte mich mal sehr, als sie ohne Zögern eine 13 Jahre alte, sehr verzweifelte Hündin namens Mandy adoptierte mit den Worten: ich bin doch selber alt ….

»Das ist mein Hund, das habe ich sofort gespürt!« Diesen Satz höre ich an einem Vermittlungstag oft. Leider glaube ich ihn in den meisten Fällen nicht – warum? Weil er fast immer dann fällt, wenn es einen sehr hübschen Hundekandidaten in der Vermittlung gibt. An einem Samstag war Mischling Cream der Traum aller Bonner Hundesuchenden. Die zuckersüße Hündin mit dem Charme eines Plüschtiers hatte eine Vielzahl von Interessenten, die sich alle sicher waren, dass das „ihr Hund“ ist.

Traumhund für viele - von außen
Traumhund für viele – von außen

Sie haben es in ihren (süßen Knopf-) Augen gesehen und sofort gespürt. Leider hat mich keiner der Interessenten nach ihren Eigenschaften gefragt …. Es gab sogar Besucher, die wegen einer Katze gekommen waren, die kleine Hündin gesehen hatten und jetzt zwar keinen Hund wollten, aber Cream!?! Irgendwann kam eine Familie, die nach ihren Eigenschaften gefragt hat und befand, dass diese zu ihnen passten und adoptierte sie.

»Seit Jahren sitzt der Hund da – ich wollte ihn nehmen, aber die wollen den gar nicht rausgeben ….« »Oh doch, zu gerne« möchte ich auf solche Kommentare ausrufen. Geht einer unserer Langzeitinsassen, ist die Freude immer sehr groß, denn meist gibt es für das lange Warten einen guten Grund. Der Hund zeigt Problemverhalten. Bei Hunden mit Aggression oder Angstverhalten, müssen die Menschen nicht nur viel Hundeerfahrung haben, sondern auch noch ein ruhiges Zuhause ohne Kinder, wenig Besuch und viel Platz. Diese Menschen sind rar gesät, weshalb manche Hunde ihr Leben lang vergebens auf sie warten. Die Probleme der Hunde sind leider real – einen Problemhund zu adoptieren ist eine Herausforderung und das selbst für erfahrene Menschen, die gute Voraussetzungen haben und den Willen mit dem Hund zu arbeiten. Ich muss alles erzählen, was ich über den Hund weiß. Oft höre ich dann – »das macht der bei mir nicht« oder »für mich kein Problem« wo Nachfragen wie »in welchen Situationen tritt das Verhalten auf?« oder »was haben sie bisher unternommen, um mit ihm zu arbeiten?« angebracht wären. Es geht nicht darum, den Hund schlecht zu machen oder die Kompetenz der Interessenten in Frage zu stellen, sondern ein realistisches Bild des Hundes zu geben. Zu oft schon sind solche Hunde wieder aus der Vermittlung zurückgekommen, weil ihre neuen Besitzer unsere Erfahrungen mit dem Hund nicht ernst genommen haben. Hunde wie Schäferhund Eddy können ein Lied davon singen.

Was möchte ich damit sagen? Alle in unserem Team wollen Hunde vermitteln. Wir freuen uns aus tiefstem Herzen, wenn unsere Schützlinge ausziehen dürfen. Wir haben aber auch jahrelange Erfahrungswerte, woran eine Vermittlung scheitern kann. Eine gescheiterte Vermittlung ist für niemanden eine gute Erfahrung – und für die meisten Hunde eine echte Katastrophe. Deshalb fragen wir nach, erzählen, was wir wissen und versuchen herauszufinden, wo es passt oder wo nicht und woran Mensch und Hund eventuell noch arbeiten müssen. Denn unsere Hunde sollen ein Zuhause finden – für immer!

Grit Matthiesen

Öffnungszeiten: Fr. und Sa., 14–17 Uhr
(und Termine nach Vereinbarung)