In unserer aktuellen Zeitschrift finden Sie diesen Beitrag über das artgerechte Zusammenleben mit Schildkröten:
In den letzten Jahren haben wir immer mehr Schildkröten als Abgabe- oder Fundtiere zu uns ins Tierheim bekommen. Der Trend zu diesen Tieren scheint entweder zu wachsen oder aber das Angebot ist größer und einfacher geworden und man entledigt sich der vorschnell sowie unüberlegt angeschafften Tiere vielfach wieder. Ob griechische Land-, Höckeroder Gelbwangen-Wasserschildkröte, relativ kleine oder bereits tellergroße – die Vielfalt ist erstaunlich.
Leider scheinen es sich die meisten in der Haltung immer noch recht einfach zu machen. Wasserschildkröten gehören ins Wasser und Landschildkröten in den Garten. Doch so einfach ist es nicht. Mit Schildkröten holt man sich recht anspruchsvolle Tiere ins Haus. Genau wie bei anderen Haustieren, gibt es auch bei den Schildkröten viele Unterarten, die jede für sich noch mal besondere Ansprüche und Eigenheiten hat. Auch sind Schildkröten nicht ohne weiteres zu vergesellschaften. Verträglichkeiten müssen ausgetestet und gut beobachtet werden. Und zu guter letzt benötigen auch die gepanzerten Vierbeiner regelmäßig eine tierärztliche Kontrolle.
Die wichtigsten Informationen möchten wir Ihnen hier in Kürze vorstellen. Ausführliche Informationen erhalten Sie auf den in Anhang angeführten Seiten.
Haltung
Vor der Anschaffung sollte sich erkundigt werden, welche Art gemäß EUArtenschutverordnung im Anhang A
aufgeführt ist – demnach gekennzeichnet (Chip, Fotodokumentation) und gemeldet werden muss sowie offizieller Papiere bedarf – oder im Anhang B – also lediglich angemeldet und mit Herkunftsnachweis versehen sein muss.
Für die Haltung gilt: größer geht immer. Verzichtet werden sollte auf einfache Plastikbecken, karg eingerichtete Wasserbecken oder Gehege ohne Rückzugsmöglichkeiten sowie ungesicherte Außenhaltung. Viele Arten benötigen einen Sonnenplatz mit einer Strahlungswärme von ca. 30 Grad. Bei Wasserschildkröten muss darauf geachtet werden, dass die Tiere gut und an mehreren Stellen aus dem Wasser können. Leider gibt es in Deutschland keine Vorschriften für Becken oder Gehegegröße, die den Tieren auch gerecht wird. Erkundigen Sie sich daher vor der Anschaffung bei kompetenten Auffangstationen über die benötigte Größe und Beschaffenheit der Unterbringung.
Gleiches gilt auch für die Überwinterung.
Nicht alle Schildkrötenarten müssen kalt überwintern. Manche haben nur eine verminderte Aktivitätsphase, andere wiederum fallen in eine s. g. Winterstarre. Diese benötigen den „Winterschlaf“ zur Regeneration und sollten die Winterruhe auch durchaus gewährt bekommen. Vielfach wird dafür ein ausgedienter Kühlschrank als Überwinterungsquartier empfohlen, in dem die Tiere sauberer gehalten und besser überwacht werden können.
In jedem Fall aber sollten individuellen „Winter-Bedürfnisse“ dem natürlichen, ursprünglichen Lebensumfeld der Schildkröten
angepasst sein.
Ernährung
Wie bei allen anderen Tieren, ist eine abwechslungsreiche Ernährung das A und O für gesunde und fitte Schildkröten. Mit den üblichen im Handel erhältlichen Fertigfuttermischungen ist es daher nicht getan. Zudem sind diese meist für die Panzertiere völlig ungeeignet, da sie zuviel Eiweiß und/oder Fett enthalten. Wenn es denn Fertigfutter sein muss, dann sollte der Eiweiß- und Fettanteil möglichst gering, der Ballaststoffanteil möglichst hoch sein und die Fütterung auf 1-2 x pro Woche begrenzt werden. Ergänzt werden sollte dann je nach Art mit pflanzlichem oder tierischem Futter. An Grünfutter eignen sich z. B. Wasserlinsen/Entengrütze, Wasserpest, Wassersalat bzw. Muschelblume, Löwenzahn, Romanasalat und diverse Wildpflanzen (Brennnessel, Brunnenkresse, Hirtentäschel und vieles mehr).
Unter tierische Nahrung zählen Stinte, Moderlieschen, diverse Kleinkrebsarten, Mückenlarven als Frostfutter sowie Wasserinsekten, Mückenlarven, Tauwürmer als Lebendfutter.
Da Schildkröten auch gerne an Rachitis erkranken, sollte auch immer Calcium (Sepiaschale, zerstossene Eierschalen, Muschelschrot) angeboten werden. Sonnenlicht oder eine künstliche UV-Quelle sorgt dann dafür, dass das aufgenommene Calcium auch entsprechend eingelagert werden kann.
Gesundheit
Auch Schildkröten sind vor Krankheiten nicht geschützt. Die meisten Erkrankungen entstehen durch Haltungs- und
Fütterungsfehler. Von Parasiten über Veränderungen am Panzer wie Panzernekrosen, Ablösen der Panzerplatten oder Deformationen sowie Lungenentzündungen, Infektionen und Abszesse bis hin zur Legenot kann eine Schildkröte an allem erkranken. Hier ist ein waches Auge gefragt, denn Schildkröten können Erkrankungen noch besser „verstecken“ als andere Tiere. Der Besitzer muss seine Tiere gut kennen, um Veränderungen im Verhalten, die auf eine Erkrankung hinweisen können, schnell zu bemerken. Der Besuch eines reptilienkundigen Tierarztes ist dann unabdingbar.
Und natürlich gilt auch bei den Schildkröten: bevor Sie in ein Tierfachgeschäft gehen und eine der winzigen, niedlichen Schildkröten erwerben, fragen Sie doch lieber im Tierheim nach oder bei Auffangstationen. Hier freut man sich sehr über interessierte neue (oder alte) „Schildi-Halter“ und über einen guten Platz, an den der oder die Schützlinge vermittelt werden können. Aufgrund der vermehrten Abgaben der Panzertiere ist die Auswahl auch im Tierschutz (leider) sehr groß.
Sabine Brunelli
Links
www.zierschildkroete.de
www.schildifutter.de
www.tierarzt.schildkroeten.com
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