Je unpersönlicher, je weiter weg – im Schatten der Anonymität fühlen wir uns oft weniger betroffen und verantwortlich. Es besteht ein wirtschaftliches, aber sicher auch persönliches Interesse daran, Leben und Sterben der Tiere, die wir ausbeuten oder bekämpfen für uns in Anonymität zu belassen.
Nur so ist es für die meisten wahrscheinlich aufrecht zu erhalten, Hund Maxi zu umsorgen, Schwein Lisa zu essen. Beide gleich klug, verschmust, sozial. Oder Kater Felix zu verwöhnen und Taube Kathi zu (ver-) jagen.
Was ändert sich, wenn wir jedes Wesen als das wahrnehmen, was es ist: Einmalig. Wie jeder von uns »Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will« (Albert Schweitzer).
Ganz gleich, ob Mücke oder Elefant. Was ändert sich, wenn wir uns bewußt machen, dass das Fleisch auf dem Teller von einer inidividuellen Persönlichkeit stammt, ebenso das Leder von Schuhen oder Jacken, die Milch von einer Kuh, der immer wieder ihre Kinder schreiend weggenommen werden.
Kein Lebewesen ist »Nutzvieh«, »Biokuh«, »Labormaus« oder ein »Schädling«. Genauso gilt es nicht »Arten« zu schützen, sondern Individuen.
So viel Respekt: jeden aus dem Schatten der Anonymität ins Licht individuellen Lebens holen. Jedes Wesen als Gegenüber sehen und seine einzigartigen Merkmale entdecken.
Probieren wir es aus. Und dann vielleicht noch weitere Schritte des Respekts und der Lebens-Freude.
Nicole Ernst