Ehemaligen-Post von Hazel

Knapp vier Monate ist Hazels Umzug nun schon her und ich denke, ich kann behaupten, die schwarze Katze ist hinreichend in ihrem neuen Zuhause angekommen… für Hazel-Verhältnisse. Ja, sie wirklich etwas ganz Besonderes. Hochsensibel, sehr intelligent, ein kleines bisschen faul und definitiv berechnend. Eine explosive
Mischung. Das hat sie mir auch gleich am Ende des zweiten Tages klar gemacht. Einen ganzen Tag lang hat sie gespart. Hazel wusste zweifellos, wo das Katzenklo ist, aber sie hatte andere Pläne. Spät am Abend (bzw.
eigentlich schon nachts) sollte ich dann auch einen kleinen Einblick in ihren wahren Charakter bekommen. Es war das letzte Mal, dass ich die Tür zum Schlafzimmer offen lies. Als ich schließlich hundemüde ins Bett wollte, sah ich ihr Meisterwerk. Das Kopfkissen und die Matratze hoffnungslos durchtränkt und ein gigantischer Haufen akribisch unter die Zudecke gescharrt. Alleine dass so viel in eine Fünf-Kilo-Katze hineinpasst, war schon bemerkenswert. Die nächsten Tage versuchte ich noch mit speziellen Reinigungsmitteln etwas zu retten, aber am Ende profitierte Matratzen-Concorde. Danach war ich etwas manisch, was die Schlafzimmertür betraf. Aber was soll’s. Ich wusste ja, worauf ich mich da eingelassen hatte. Mehr oder weniger.

Hazel ist eine Katze, die (möglichst aus dem Verborgenen heraus) eine ganze Weile beobachtet, bevor sie auch nur einen einzigen Schritt macht. Und der ist dann wohlüberlegt. Ich brauche mir definitiv keine Sorgen zu
machen, dass ich jemals über ein schwarzes Fellbündel stolpere, oder Schwierigkeiten habe das Futter bereitzustellen. Im Umkehrschluss rechne ich jedoch auch frühestens zu Weihnachten damit, dass ich sie das erste Mal kurz berühren darf. Mit ganz viel Geduld und Leckerli bekomme ich sie jedoch immerhin schon auf Armlänge heran, solange ich mich dabei mehr oder weniger tot stelle. Unser Abendritual (mit Bestechung) ist
inzwischen ein fester Bestandteil des Tagesablaufs, auf den Hazel tatsächlich auch wartet. Meine Katze scheucht mich alleine dadurch ins Bett, dass sie anfängt mir ein Loch in den Rücken zu starren.

Wenn ihr etwas nicht passt, dann bellt sie. Ja, sie hat eine Fremdsprache erlernt und macht regen Gebrauch davon. Ich wollte nie und unter keinen Umständen einen kleinen, kläffenden Hund in meiner Wohnung.
Nun habe ich eine kleine, kläffende Katze. Wenn so eine Fußhupe vor unserem Haus vorbeigeht und Laut gibt, drehe ich mich unwillkürlich zu Hazel um. Neben vielen anderen Sachen im Rahmen eines noch in weiter
Ferne liegenden Klicker-Trainings steht auf jeden Fall an erster Stelle: Hazel Miauen beibringen!

Morgens fällt die Katze so geräuschvoll und unelegant wie nur irgend möglich aus ihrer Katzentonne, äugt mich mit halb verklebten Augen an und scheint auf ihren Kaffee zu warten. Ich habe mir inzwischen angewöhnt zuerst die Fellnase zu versorgen und erst danach mich selbst. Hazel dankt mir das, indem sie sich nach dem schlurfenden Abstecher in die Küche wieder zurück in ihre Tonne verzieht und weiterpennt. Ja, da bin ich glatt ein wenig neidisch.

Alles in allem geht es der Katze jedoch sehr gut. Die Spielangel ist weiterhin nicht ihr Ding, hängt da doch so ein blöder Mensch am anderen Ende. Aber der Laserpointer ist toll, wenngleich noch für recht kurze Zeit. Ich bin jedoch sehr zufrieden mit den Fortschritten. Es hat eine Weile gedauert Hazel die Angst vor dem Spiel zu nehmen. Am Anfang hat sie sich sogar selbst durch „Ohrfeigen“ von ihren Instinkten ferngehalten. Also diverse Übersprungshandlungen wie hektisches Putzen, Umgebungsmarkierung und allgemeines Zusammenzucken und Schütteln. Generell ist Hazel eine Katze mit Albträumen und Flashbacks. Das merke ich vor allem an ihren aus heiterem Himmel kommenden Angstzuständen, die uns jedes Mal wieder zurückwerfen. Aber sie werden immer seltener und auch die Erholungsphasen werden kürzer. Hazel ist auf einem guten Weg.


Fotos privat