Bibi (Schnauzer-Mischling)

Bibi kam als Fundhund zu uns ins Tierheim. Nachdem die Besitzerin ausfindig gemacht worden war, stellte sich heraus, dass diese noch ein zweite Hündin (Emmy) hatte. Das Amt verfügte, dass beide Hündinnen im Tierheim bleiben sollen, da die Besitzerin nicht in der Lage war, sich angemessen um sie zu kümmern. Sie hat die beiden sehr lieb gehabt und meinte es gut, doch sie war heillos überfordert mit den beiden Angsthündinnen.

Beide Hündinnen sind auffällig unsicher bei Umweltreizen. Sie scheinen nicht viel kennengelernt zu haben und kennen es auch nicht, spazieren zu gehen. Anfangs klebten sie aneinander wie Zwillinge, vor allem Bibi weichte ihrer Freundin nicht von der Seite.

Bibi kommt ursprünglich aus Rumänien und das Leben als Straßenhund hat seine Spuren hinterlassen. Bei ihrer Ankunft suchte sie nur äußerst vorsichtig den Kontakt zu Menschen und war extrem schreckhaft, nervös und ängstlich. Sie konnte nicht ohne Emmy sein und verfiel sofort in Panik, wenn Emmy nicht mehr in Sichtweite war. Wochenlang konnten die beiden nicht das Gelände verlassen, doch nach und nach tauten sie auf und mittlerweile hat Bibi eine 180 Grad-Wendung hingelegt.

Sie hat nicht nur abgespeckt (sie war deutlich übergewichtig), sie ist nun auch richtig vorwitzig geworden. Wenn sie Vertrauen aufgebaut hat, orientiert sie sich stark am Menschen und freut sich riesig, wenn ihre Bezugspersonen sie zum Gassi abholen. An der Leine ist sie immer noch aufgeregt, aber nicht mehr nur aus Panik. Sie läuft noch unkontrolliert und tänzelt immer ein wenig herum, was dazu führt, dass man ihr schon mal auf die Füße tritt, doch auch das verkraftet sie mittlerweile ohne Panikattacke. Laute Geräusche, wie Böller oder Verkehrslärm, bereiten ihr aber immer noch große Angst.

Je mehr Bibi auftaute, desto deutlicher wurde ihre Eifersucht gegenüber Emmy und anderen Artgenossen. Sie drängt sich regelrecht in den Vordergrund, beansprucht „ihren“ Menschen für sich und macht das auch deutlich. Auf dem Spaziergang oder im Zwinger pöbelt sie gerne andere Hunde an und möchte sich dadurch Platz verschaffen. Insgesamt ist sie sehr mitteilungsbedürftig und ungeduldig. Hier bedarf es noch an Training, damit sie versteht, dass sie nicht über „ihren“ Menschen entscheidet. Bei ihren Bezugspersonen kann sie auch zur Ruhe kommen und genießt ausgiebige Streicheleinheiten, doch auch hier muss sie Grenzen erlernen und annehmen.

Aufgrund ihrer weiterhin bestehenden Unsicherheit gegenüber allem Fremden, möchten wir sie nicht in einen Haushalt mit Kindern vermitteln. Ob es mit einem souveränen Rüden funktioniert, müsste man während einer längeren Kennenlernphase ausprobieren. Als Einzelhund wäre sie jedoch besser aufgehoben. Auch wenn sie schon große Fortschritte gemacht hat, bleibt sie eine ängstliche und unsichere Hündin, mit der man weiterarbeiten muss, aber wir sind uns sicher, dass sie eine treue Begleiterin werden kann.

RasseSchnauzer-Mischling
Geschlechtkastrierte Hündin
Geboren12.06.2020
Größeca. 55 cm
Verträglich mit Artgenossen?nach Sympathie
Katzenverträglich?unbekannt
Verträglich mit anderen Tieren?unbekannt
Autofahren?unbekannt
Alleine bleiben?noch nicht
Im Tierheim seit29.08.2024

© Fotos: Elin Osterbrink