vom 6.10.2021
Gismo lebt nicht mehr. Nach 18 ¾ Jahren „geht ein Clown von der Bühne“
Mit dem 02.09.2008 begann für Gismo – fast 5 Jahre alt – und uns eine lange Geschichte. Gismo, ein anscheinend freundlicher, netter Jack Russell, durfte das Tierheim verlassen. Die Fahrt zu seinem neuen Zuhause begann für ihn voller Angst, so dass er beim neuen „Frauchen“ auf den Schoss musste. Erst in seinem neuen Garten konnte er sich beruhigen und alles sorgfältig erkunden.
Die weitere Entwicklung bei ihm sah dann anders aus als erwartet ! Bei den Spaziergängen versuchte er jeden Hund anzugreifen ! Er zeigte seine Freiheit indem er sich besonders gerne in den Hinterlassenschaften fremder Katzen in seinem Garten wälzte. Folgsamkeit wurde auch zum Fremdwort. Die Hundetrainerin musste zwei Mal kommen und gab uns wichtige Ratschläge, aber mit der Ansage, dass die „Unverträglichkeit“ zu anderen Hund wohl bleiben könnte. Von seinem „Frauchen“ bekam Gismo nun die Ansage :1/2 Jahr und „lieber Hund“ oder zurück ins Tierheim. Viel ändern tat sich jedoch nicht.
Aber dann der erste Urlaub – in Westkapelle/NL, die Fahrt mit Beruhigungsmitteln – nach 10 Wochen bei uns, zeigte dann doch die ersten positiven Zeichen, er begann zu folgen. Wie es dann weiter ging, haben wir nie nachvollziehen können, denn nach Weihnachten 2008 änderte sich sein Verhalten innerhalb von wenigen Tagen total. Er vertrug sich mit anderen Hunden, er biss nicht mehr zu sondern wurde eher selber von anderen gebissen. Die Hundemeute zum rumtoben konnte für Gismo nicht groß genug sein. Es wurde sich nur noch auf dem Teppich „genussgewälzt“, Folgsamkeit war kein Problem mehr. Vielleicht war das Zusammensein mit zwei großen und wohlerzogenen ungarischen Hirtenhunden in der Nachbarschaft ein positives Signal für Ihn. Er war der Hund geworden, den jeder sich so wünscht !
Der Garten war sein ein und alles, toben, Löcher buddeln und alles, was Hund sonst noch gerne macht, das durfte er. Alles im Jack Russell-Tempo, das Wort langsam kannte er nicht ! Reisen wurde auch mit der Zeit unproblematisch. Sein liebstes Ziel war das Meer, rumtoben, im Sand wälzen, Tang zerfleddern, Möwen jagen – da war Folgsamkeit dann ein Fremdwort – bis er nach Jahren feststellte, dass die immer wegfliegen konnten, lange Spaziergänge im Sand und einfach nur rumliegen und den Tag genießen. Von Schweden und Ostsee, regelmäßig Niederlande bis zur französischen Atlantikküste, das waren seine Lieblingsziele ! Schwimmen wurde eine seiner Lieblingstätigkeiten dort. Doch auch so einige Alpentouren bis hin auf 3.000 Metern Höhe – gut dass es da Seilbahnen gab – hat er gerne brav mitgemacht. Wenn die Koffer bereit standen, wusste er schon immer: Action ist angesagt. Das Gepäck auf den Rücksitzen und er hatte den eigentlichen Kofferraum als sein Reiseabteil!
Man konnte ihn absolut problemlos überall mit hinnehmen, er zeigte nur positives Verhalten, wo wir dann auch sehr oft von anderen Hundehaltern beneidet wurden. Mit seinem Verhalten und den großen glänzenden Augen und seinem freundlichen Gesicht brauchte er oft nur wenige Minuten, um von anderen ein Leckerli oder sonstige Leckereien und Streicheleinheiten zu bekommen. Zu Hause nutzte er das auch aus und immer wieder gab es dann auch gute Metzgerware. Er konnte immer alle mit seinen Aktion begeistern und wenn keine Reaktion kam, stellte er immer wieder irgendeinen neuen Unsinn an, der die Aufmerksamkeit aller auf ihn zog. Er war so eigentlich ein echter Clown, mit immer wieder neuen verrückten Dingen, bis in sein hohes Alter ! Er hat es geschafft, dass er in all den Jahren bei uns nie für irgendwas bestraft werden musste ! In all den Jahren bei uns hat er nur dreimal heftig zugebissen ! Aber alle 3x hatte „Herrchen“ ihn aus seinem absoluten Tiefschlaf geweckt !
Er war der beste Hund von allen, die wir hatten, voller Leben, total ausgeglichen, geballte Intelligenz, aber auch fordernd und einfach nur liebenswert ! Doch es gab auch sorgenvolle Zeiten für uns alle. 2013 machte das linke Hinterbein nicht mehr mit, eine große OP war in der Klinik in Duisburg nötig, und er musste noch am gleichen Tag mit nach Hause, man konnte ihn nicht in einer fremden Umgebung lassen. 2016 ein bösartiger Tumor unter der Haut vor den Rippen und eine notwendige OP. 2019 begannen dann die Nierenprobleme und 2020 hatte sich ein neuer Tumor – aber nicht bösartig – gebildet, der eine OP notwendig machte. Die kleinen Sorgen sind hier nicht aufgeführt. Mit dem Anfang 2021, begann dann der altersbedingte Abbau bei Gismo, er wurde blind und taub, Schmerztabletten wurden täglich erforderlich, die Spaziergänge waren nur noch ein paar 100 Meter, die Hinterläufe hatten, Arthrose bedingt, keine Kraft mehr, er sackte immer wieder in seine Hinterlassenschaften, fiel immer öfters um. Es war jedoch noch so, dass er mit in Urlaub konnte – in den Nachbarort – Zoutelande/NL, fast zu seinem ersten Urlaub mit uns. Er wurde in der Tasche zum Strand getragen und genoss dies, was er früher niemals zugelassen hätte : in einer Tasche eingepackt zu sein. Dann einmal musste er doch noch ins Wasser, wenn auch nur mit den Pfoten. Auch musste er noch einmal fast ½ Stunde lang in den Wald, den er seit Jahren dort kannte und geliebt hatte. Am 03.09.2021 baute er extrem ab, er konnte so gut wie nicht mehr stehen, trank sein Wasser im liegen, erbrach alles und hatte Durchfall. Die Nacht zum 05.09. war er stundenlang wach und lief orientierungslos um sich selber und legte sich immer wieder mal, um 10 Min. zu schlafen. Morgens war er total apathisch, reagierte so gut wie nicht und seine Augen, die trotz Blindheit immer noch geglänzt hatten, waren matt und leblos. Die Tierärztin, zu der wir Sonntag hin konnten, untersuchte Gismo noch einmal gründlich und machte die gleiche Diagnose wie unser Tierarzt hier zu Hause auch : Gismo hat ein wirklich stolzes Alter, hätte im Dezember seinen 19. Geburtstag ! Die Schmerzen, die er hatte, könnte man mit einer Höherdosierung mindern, aber eine Gesundung wäre nicht mehr zu erwarten. Es wäre aus ärztlicher Sicht keine gute Lösung sondern eher eine Qual. So war es ein schwerer Entschluss für uns, ihn dann doch zu erlösen. Die Ärztin hat ihn dann auch mit großer Achtsamkeit und Mitgefühl für uns eingeschläfert und auch die die Abholung von Gismos Asche bei einen Tierkrematorium im Nachbarort hat mit einer mitfühlenden Achtsamkeit stattgefunden.
Ein Teil unseres Gartens, Gismos Garten, ist asiatisch angelegt und an einem schon jahrelang vorhandenen Naturstein neben einem Sonnentor und einem Ginkgobaum liegt seine Asche neben den vorhanden Steinen nun zusätzlich mit Sandresten von den Stränden, wo er mit war, bedeckt. So ist er immer noch in seinem Garten, so wie wir es Gismo versprochen hatten ! An einer kleinen Wand im Flur unseres Hauses waren schon immer Fotos von Gismo, da kommen dann jetzt weitere schöne Erinnerungsfotos dazu !
© Fotos: Privat