Ehemaligen-Post: Mona

„vom 05. Mai 2017“

Katze Mona auf dem Weg in ein neues Leben …. denn es ist nie zu spät um nochmal durchzustarten …. Ich bin Katze Mona, 3 Jahre alt, sagt jedenfalls der Tierarzt und der muss es ja wissen, oder? Über meine Vergangenheit möchte ich hier nicht viele Worte verlieren. Sie war nicht schön weshalb ich das alles auch ganz schnell vergessen möchte.

Man fand mich im Juni 2016 in Bonn Duisdorf. „Obdachlos“ lautete der Kommentar der Passanten, die mich auf der Straße aufgegriffen haben. Sie brachten mich ins Tierheim nach Bonn. Eigentlich war ja jetzt alles soweit okay. Endlich von der Straße!
Im Tierheim stellte man mir sogar ein Einzelzimmer mit eigener Toilette und Ausgang ins Freigehege zur Verfügung. Hier lebte ich dann quasi im “Betreuten Wohnen“ mit regelmäßigen Malzeiten, einer Putzhilfe und gelegentlichen Besuchen von sogenannten Katzenstreichlerinnen.Die hatten an mir aber nicht so richtige Freude, weil ich am liebsten in meinem Körbchen lag und nicht gestört werden wollte. Ein bisschen Fauchen und schon hatte ich wieder meine Ruhe.
Viele meiner Artgenossen blieben nur ganz kurz, dann fanden sich Katzenliebhaber, die sie mit nach Hause nahmen. Ob ich sie beneidete? – Ich weiß es nicht. Für mich jedenfalls interessierte sich irgendwie Niemand?!?!
Irgendwann kam dann eine Mitarbeiterin vom Tierheim auf die Idee mein Foto mal ins „Internetz“ (?!?!), oder wie das heißt, zu stellen. Was immer das auch ist, dieser neumodische Kram, es hatte Erfolg.
Tatsächlich tauchten hier 2 Leute auf, ein Mann und eine Frau, die nur gekommen waren um mich KATZE MONA zu besuchen. MICH ! Nur MICH! Sie besuchten mich sogar in meinem Zimmer. Ganz leise hat die Frau mir was erzählt. Was, habe nicht verstanden. Aber die Stimme klang ganz angenehm. Ich bin natürlich nicht aus meinem Körbchen herausgegangen, man weiß ja nie, mit wem man es zu tun hat. Das Leckerli habe ich natürlich auch nicht angenommen. Ich lasse mich doch nicht bestechen. Und von Fremden soll man ja sowieso nichts annehmen, davor wird doch immer wieder gewarnt.
Aber ich habe die Beiden mal angeblinzelt, ich wollte ja nicht unfreundlich sein. Ich hatte den Eindruck, dass sie das freute. Oh je, dann erzählte die Tierpflegerin aber von meiner Blasenentzündung. „ Lass das doch, die kommen doch nie wieder, wenn sie das hören! Irgendwie stimmte mich das dann doch traurig, jetzt war ich so nah dran, dass sich mal Jemand für mich interessierte. Schade, das war es ja dann wohl. Aber nein, ein paar Tage später, ich konnte es kaum glauben… die Beiden kamen zurück. Sie hatten noch einige Fragen an die Tierpflegerin.
„Hoffentlich sagt die bloß nicht zu viel“, war meine größte Sorge. Aber die Beiden ließen sich durch nichts abschrecken. Sie versprachen mir, dass sie mich in ein paar Tagen abholen würden. „Wer´s glaubt wird seelig“, hab ich nur gedacht. Ich habe doch nie Glück! Wie lange sind denn wohl ein paar Tage…..? Fressen – Schlafen – Fressen – Schlafen ….. wo genau fängt denn ein neuer Tag an?

Es war der 13. Januar 2017. Den Tag werde ich nie vergessen.
Die Beiden haben ihr Versprechen eingehalten. Sie haben mich tatsächlich aus dem Tierheim abgeholt. Nach einer circa 10 minütigen Autofahrt, während sie immer leise auf mich einredeten, waren wir dann wohl am Ziel. Sie trugen meine Transportkiste in die obere Etage ihres Hauses, wo sie mir, wie sie sagten, eine “Spielecke“ eingerichtet hatten.
Spielecke, haha, war ja nett gedacht, aber was soll ich denn hier oben? Unten riecht es doch viel besser. Habe mich dann ganz schnell nach unten begeben und bin dort quasi für die nächsten 3 Monate in der Küche unter der Eckbank verschwunden.
Sehr zum Leidwesen meiner neuen „Familie“. Seufzzzzzz! Ich glaube, sie waren ganz schön traurig. Gelegentlich habe ich mal auf der Eckbank geschlafen, wenn keiner da war, aber die meiste Zeit verbrachte ich eben darunter. Durch eine kleine Öffnung konnte ich jedoch alles beobachten.
Aber im Großen und Ganzen nichts anderes als im Tierheim. Wieder nur schlafen und fressen. Alles war neu und ungewohnt. Und irgendwie machte ich wohl auch einen ziemlich apathischen und deprimierten Eindruck. „Und kommt mir bloß nur nicht zu nahe oder kommt auf die Idee mich anzufassen. Das geht gar nicht!“
Außerdem war ich ja auch offensichtlich nicht ganz gesund. Trotz Antibiotikum war mein Blasenproblem noch immer nicht behoben. Die Beiden haben alles versucht mich aufzuheitern, aber ich war noch nicht soweit.
Manchmal musste ich jedoch schmunzeln.

 

 

Der Mann sagt immer „Mona Lisa“ zu mir. Hhhhmmmm?!? Wieso frage ich mich? Mona Lisa hat doch was mit Kunst zu tun, oder? Ist doch ein Bild von einem berühmten Maler, wenn ich nicht irre, von Leonardo da Vinci, oder? Ach ich verstehe, er meint, ich hätte genauso einen „verklärten Blick“, eben wie diese Mona Lisa. Na ja, könnte vielleicht hinkommen, was meint ihr: Ja und die Frau sagt immer „Monaspatzi“ zu mir. Mein Gott, jetzt sag mir doch mal ein Mensch, was ich mit einem Spatz gemein hab! Menschen, man versteht sie oder auch nicht. Ich eher nicht!
Die Verpflegung hier in meinem neuen Heim war ja wirklich echt klasse. Die Frau hat immer extra Hühnchen und Tafelspitz für mich gekocht. Haha die Beiden, und auch die Oma, die unten im Haus wohnt, haben dann ständig Hühner- oder Rinderbrühe mit Gemüse gegessen. Haha ohne Fleisch, denn das habe ich ja bekommen…hahaha!
Zuweilen hab ich den Beiden wohl aber auch ziemlich viel Kummer bereitet. Na ja, durch meine Blasenentzündung habe ich es nicht immer rechtzeitig auf mein Katzenklo geschafft, mmhhhh war geruchsmäßig für meine neue Familie nicht so angenehm.
Zumal ich mir dafür die Polster der Eckbank ausgesucht habe. Ich weiß aber nicht, was die Beiden wollten, ich fand anschließend den Geruch nach Chlor und Essigreiniger viel, viel schlimmer: Das Ganze ging eine Weile so, bis meine Familie beschloss, dass es so nicht weitergehen konnte. (Ich hatte schon Angst, sie würden mich zurück ins Tierheim bringen): Sie kamen mit einem Schraubenzieher und begannen kurzerhand die Eckbank abzumontieren. Angsterfüllt saß ich derweil im Wohnzimmer. „Die nehmen mir doch nicht meinen Zufluchtsort weg, nein, nein, das dürfen die nicht“. Nach einer Weile war endlich Ruhe. Ganz vorsichtig schaute ich um die Ecke…….
Was für ein Segen, das kleine Stück der Eckbank, wo ich immer drauf schlafe, oder wo ich mich immer drunter verstecke, es steht noch!!!!! Ich verspreche hoch und heilig mit meinem großen Katzenehrenwort, dass ich jetzt auch immer das Katzenklo benutzen werde. Natürlich verstehen die Beiden mich nicht. Aber sie werden es ja merken, denke ich mir.
Trotz allem beschließt der Familienrat, dass ich noch einmal zum Tierarzt soll.

 

Meine Familie macht sich offensichtlich wirklich Sorgen um mich. Aber wie soll das alles von statten gehen. Die bekommen mich doch nie und nimmer in die Transportkiste. Das können die sich abschminken. Da werde ich mich schon zu wehren wissen. Die Frau beschließt, erst mal alleine, also ohne mich, zu der neuen Tierärztin im Ort zu gehen. Dort erzählt sie meine Geschichte und bespricht die aus dem Tierheim vorhandenen Untersuchungsergebnisse mit ihr. Und siehe da, 2 Tage später, erscheint besagte Tierärztin mit ihrer Assistentin hier in meinem neuen Zuhause. Und ratzfatz, ohne, dass ich etwas dagegen tun konnte, haben die mich in eine Transportbox gesteckt und mitgenommen. Ich konnte so schnell gar nicht reagieren.
In der Praxis haben sie mir eine Spritze gegeben, sodass ich ganz schnell eingeschlafen bin.Von den Untersuchungen, der Blasenspülung, der Urin- und Blutentnahme, sowie dem Ultraschall habe ich alles nichts mitbekommen. Die können von Glück sagen, dass ich nicht wach war, die hätte ich aber ordentlich gekratzt.
Trotzdem war ich froh, als meine Familie mich da wieder abgeholt hat. Aber zugegebenermaßen waren die dort sehr nett zu mir. Da habe ich schon andere Erfahrungen gemacht. Jetzt zu dem Ergebnis dieser Untersuchungen:
Katze Mona, also ich, muss unbedingt 2 in Worten „zwei“ Kilo abnehmen! Ich darf nur noch spezielles Futter bekommen, „ Urinary“, was die Bildung von neuen Harnsteinen verhindern soll und was bei der Diät helfen soll. Ade Hühnchenfleisch und Tafelspitz!!! Die Tierarztassistentin behauptet zwar, dass das Futter sehr gut schmecken würde (ob sie das denn schon selber probiert hat?), aber mir wäre Hühnchen lieber. Ich habe Hunger!!!!
Eine Spritze mit einem Breitbandantibiotikum soll dann noch einen vorhandenen Entzündungsherd bekämpfen.
All das war Anfang April, also vor knapp einem Monat.Ich muss zugeben, die Diät gefällt mir nicht, ich habe doch eigentlich immer noch Hunger, wenn der Napf leer ist und mein Hühnchenfleisch fehlt mir auch sehr, aber ……… mir geht es zum ersten Mal nach langer Zeit wieder gut.
Ich gehe auf die Terrasse und jage Bienchen und Vögel. Ich rieche den Frühling und erfreue mich an der Sonne. Ich habe endlich das Spielzeug entdeckt, was meine Familie schon vor über 3 Monaten für mich gekauft hat. Und manchmal dürfen die Beiden mir sogar über den Kopf streicheln. 2 oder 3 Mal aber, dann ist Schluss, man muss es ja nicht gleich übertreiben. Vielleicht lege ich mich ja auch irgendwann mal zu ihnen aufs Sofa, mal sehen?!?!
Ich glaube, die Beiden haben jetzt auch richtig Freude an mir. Sie strahlen, wenn sie zur Haustüre hereinkommen und ich schaue um die Ecke und verkrieche mich nicht, so wie früher unter der Eckbank. Ich habe entdeckt, dass es im Wohnzimmer so viele schönere Plätze zum Liegen gibt.
Ich, Katze Mona, bin endlich in meinem neuen Leben angekommen!
An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an die Mitarbeiter(-innen) des Tierheims Bonn für die freundliche Unterstützung. Im Besonderen an Frau Reuter, die nicht aufgegeben hat, uns Mut zu machen. Und dann noch herzlichen Dank an Frau Gebauer, die Tierärztin, sowie ihrer Assistentin, die im Wesentlichen durch ihre medizinische Unterstützung zu Monas Wohlbefinden beigetragen haben.
Jürgen und Barbara W. und Katze Mona

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(und Termine nach Vereinbarung)